Kinesiologie kann mithilfe von Muskeltests und vielseitigen Balance-Techniken das körperliche, emotionale und geistige Gleichgewicht fördern. Doch wie läuft eine Sitzung ab, und was sagt die Wissenschaft über die Wirksamkeit der Methode?
Die Kinesiologie entstand in den 1960er-Jahren in den USA und nutzt einen ganzheitlichen Ansatz. Die Methode der Komplementärtherapie stellt heute die Wechselwirkungen von Körper, Emotionen und Geist in den Mittelpunkt. «Ziele der Kinesiologie sind körperliche Gesundheit, Stressbewältigung und bessere Leistungen in Schule, Beruf und Sport», erklärt Jörg Eidenmüller, Medbase Zürich Oerlikon.
Chiropraktik und Osteopathie arbeiten mit manuellen Techniken vor allem auf körperlicher Ebene. Die Kinesiologie ist interaktiv und ganzheitlich. Sie bietet eine Vielzahl von individuell abgestimmten Balance-Techniken für Körper, Seele und Geist sowie das gesamte Energiesystem. «Welche Gefühle und Gedanken stecken hinter einer verspannten Schulter? Warum verlieren wir in der Nähe von bestimmten Personen die Energie? Was tun, wenn sich die Gedanken nachts im Kreis drehen?», sind Themen, an denen Jörg Eidenmüller, dipl. Kinesiologie Komplementärtherapeut mit eidgenössischem Diplom, mit seinen Klienten arbeitet.
Eine Sitzung dauert in der Regel 60 Minuten und gliedert sich meist in vier Phasen:
«Kinesiologie ist für mich eine interaktive Therapieform. Muskeltests sind eine von mehreren Möglichkeiten, belastende und unterstützende Faktoren in der Innen- und Aussenwelt erfahrbar und nutzbar zu machen», erklärt der dipl. Kinesiologie Komplementärtherapeut.
Ein häufig eingesetzter Muskeltest läuft so ab: Die getestete Person streckt einen Arm nach vorne, dann wird mit mittlerer Stärke auf das Handgelenk gedrückt. Im neutralen Zustand kann der Arm diesem Druck gut standhalten. Denkt die Testperson zusätzlich an eine Stress-Situation kann der Muskel sich verkrampfen oder schwach werden. «Das zeigt, wie das Nervensystem auf den Trigger reagiert und in den Angriffs- oder Flucht-Modus geht», sagt der langjährige Therapeut.
Spezifische Massagepunkte, Atem-Techniken, geführte Augenbewegungen, Reframing, Farbkarten, anregende und beruhigende Energiepunkte, Kinesio-Tape und vieles mehr helfen, Stress zu lösen und neue Kraft aufzubauen. Aus den in der Sitzung erprobten Balance-Techniken entwickeln Therapeut und Patient gemeinsam einfache Tools für den Alltag.
Kinesiologie kann Kinder bei Lern- und Konzentrationsproblemen, emotionalen Herausforderungen in Kindergarten und Schule oder Prüfungsängsten begleiten.
«Kinesiologie kann Menschen jeden Alters dabei unterstützen, sich in der aktuellen Lebenssituation neu zu orientieren, sowohl belastende als auch fördernde Einflüsse zu erkennen und das persönliche Gleichgewicht wieder zu finden», sagt der Experte. «Kinesiologie hilft dabei, Probleme wirkungsvoll zu lösen und neue Ressourcen zu finden.»
Mögliche Anwendungsbereiche sind:
Hinweis: Kinesiologie ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung, sondern kann diese ergänzend unterstützen. Bei akuten Schmerzen, psychischen Belastungen oder chronischen Erkrankungen sollten die Beschwerden vorgängig ärztlich abgeklärt werden.
Wie schnell eine Wirkung spürbar wird und wie viele Sitzungen sinnvoll sind, hängt von der Person, den Zielen und den jeweiligen Ungleichgewichten ab. «Kinesiologie ist Hilfe zur Selbsthilfe. Gehen wir aktiver auf unsere Ziele zu», sagt Jörg Eidenmüller.
Die Methode wird von vielen Menschen als unterstützend oder wohltuend empfunden, ihre Wirkung ist jedoch wissenschaftlich nicht eindeutig belegt. «Es liegen nicht viele Studien mit wenigen Probanden vor. Vielleicht erreichen wir in der Zukunft bessere Ergebnisse», meint der Experte.
Die Kosten für eine Kinesiologie-Sitzung sind je nach Anbieter unterschiedlich, liegen aber in den meisten Fällen zwischen 130 und 160 Franken für 60 Minuten.
Kinesiologische Behandlungen werden in der Regel nicht von der Grundversicherung übernommen. Je nach Zusatzversicherung kann jedoch eine Kostenbeteiligung möglich sein. Voraussetzung ist meist, dass die Behandlung von einer Fachperson mit anerkannter Ausbildung durchgeführt wird. Es empfiehlt sich, die Kostenübernahme vorab direkt bei der eigenen Versicherung abzuklären.